In ihrem Artikel »Dankbarkeit« beschäftigt sich Regina Bäcker mit diesem großen Thema und denkt über ihre persönlichen Gefühle im Zusammenhang damit nach. Und sie ermutigt auch uns, dankbar zu sein.


 

Dankbarkeit

Letztens saß ich in der Bahn und las einen Artikel über „Dankbarkeit“ und ihre Wirkungsweise auf unser Gehirn – bei regelmäßigem Gebrauch. Dankbarkeit verändert das Gehirn, und dieser Effekt wird durch einen Hirn-Scan nachgewiesen. Veränderung der Strukturen im medialen präfrontalen Cortex.

Übersetzt bedeutet das wohl, dass Dankbarkeit ein schönes Gefühl in mir auslöst, wenn ich mir dessen bewusst bin.

Und meine Psyche reagiert darauf mit …

  • dem Erleben mehr positiver und weniger negativer Emotionen,
  • einer Reduktion der Stressbelastung,
  • einer Senkung der Stresshormone im Blut,
  • einer Steigerung des Optimismus,
  • einer Verbesserung der Resilienz,
  • einer Verminderung der Hoffnungslosigkeit,
  • einer Minderung depressiver Symptome,
  • einer besseren physischen Gesundheit und schnelleren Erholung von Erkrankungen,
  • einer Verbesserung der Schlafqualität,
  • einer Verstärkung von positivem sozialen Verhalten wie Hilfsbereitschaft oder Spendenbereitschaft,
  • einer aktiveren Verfolgung der eigenen Ziele und einer wahrscheinlicheren Zielerreichung,
  • einer Verbesserung der Lebenszufriedenheit.

Dankbarkeit macht demnach glücklich.

„Dankbarkeit und Liebe sind Geschwister“

(Christian Morgenstern)

Wow! Dachte ich mir. Und natürlich – meinem persönlichen Verarbeitungsmuster entsprechend – dachte ich, so wie es aussah, war ich sehr undankbar in meinem Leben gewesen, sonst wäre ich nicht psychisch krank geworden. Zum Glück bin ich mir bezüglich jenes Musters bewusst.

Nein, ich bin nicht dankbar für alles, was ich erlebt habe, für all die Traumata mit ihren Verletzungen, für die Schicksalsschläge, für all die Gefühle von Wut, Trauer, Hoffnungslosigkeit, panischer Angst, für das Verlieren meines Vertrauens, die Selbstzweifel, die stechenden Schuldgefühle (die übrigens nur durch das eigene Interpretieren entstehen) und für die erlebte Wertlosigkeit, die verlorene Selbstliebe. Nein, dafür wirklich nicht. „Das Leben kann ein Arschloch sein.“

Ist dann alles nur Unsinn in diesem Artikel? Haben nicht gerade diese unangenehmen Gefühle eine Berechtigung? Sie sind in mir – und das nicht ohne Grund. Ja, sie haben ihre Berechtigung, dienen als Schutz, dienen im Moment der Gefahr zum Überleben. Auch muss ich nicht dankbar sein, ich brauche mich nicht schlecht zu fühlen, weil ich nicht dankbar bin.

Ich bin es aber. Ich bin es, weil es mich ausmacht, weil ich ein Wunder bin, mein Inneres danach strebt, sich selber lieben zu wollen. Und ich bin dankbar, dass ich das empfinden kann.

Dafür bin ich dankbar, für meine Erkenntnis, für meine Fähigkeit zur Selbstreflexion, für die Erkenntnis, dass ich mich entscheiden kann, was ich aus diesen Erfahrungen machen möchte und machen will. Für die guten und für die Scheiß-Erfahrungen. Ich entscheide mich. Ich habe die Wahl. Was für machtvolle Gedanken!

Ich bin dankbar, meine Grenzen zu erkennen, mich trösten zu können, dankbar für die Liebe, die ich in mir spüre, die ich für mich spüre. Und dankbar dafür, dass ich mir Hilfe suchen kann, dankbar für all die Menschen, die mich unterstützt haben, in die Selbstliebe zu kommen, für all jene, die mir geholfen haben, was für mich Freundschaft und Beziehung bedeutet. Ja, ich habe mich entschieden, das Leben in mich reinzulassen. Es einzuatmen und wieder auszuatmen.

Das „Hier und jetzt“.

Deswegen ist ein Danke-Sagen eine wunderschöne Art für mich jemanden wertzuschätzen, eine liebevolle Geste. Und wünschen würde ich mir, dass mein Gegenüber dies auch wahrnimmt. Und annehmen kann.

Von Herzen soll es kommen, dieses Zauberwort.

DANKE!

Es ist Zeit dafür, „Danke“ zu sagen, damit das, was werden wird, unter einem guten Stern beginnt.
(Autor unbekannt)

In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Start ins neue Jahr 2023, mit Hoffnung, Dankbarkeit und viel Selbstliebe.

Regina Bäcker

Titelbild (Ausschnitt) von Photo Mix auf Pixabay 


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