In Teil 12 der Reihe »Masters of Horror« geht es um den japanischen Spieleentwickler Shinji Mikami, der sich mit der Erfindung von „Resident Evil“ einen Namen gemacht hat, einer Computerspielreihe, deren Welt des Bösen später auch auf Film- und Fernsehreihen übertragen wurde. Einen Einblick in diese Welt verschafft uns Pia Papadopoulos (AlexOffice) mit ihrer Beschreibung von drei Teilen der Computerspielreihe.


 

»Masters of Horror« – Teil 12 – Shinji Mikami (Resident Evil)

 


 

Resident Evil –

Das Franchise und der Schöpfer

Shinji Mikami in Tokio (2013) – von Antonio Fucito (www.flickr.com) via Wikimedia Commons

Shinji Mikami in Tokio (2013)

„Resident Evil“ (in Japan als „Biohazard“ bekannt) prägte so wie „Silent Hill“ und „Alone In The Dark“ in den 1990ern das Subgenre des Survival-Horrors unter den Videospielen. Während der Urvater des Genres – „Alone In The Dark“ – bereits 1992 erschien, reihte sich der erste Teil der „Resident Evil“-Reihe, die bis heute fortgeführt wird, erst 1996 unter dem Herausgeber Capcom in die Regale der Videospiele.

Der Schöpfer der Reihe heißt Shinji Mikami (geboren am 11.08.1965 in Iwakuni/Japan), der nach seinem Abschluss 1990 bei Capcom als Planer anfing. Nach seinen ersten Veröffentlichungen für den Gameboy und SNES setzte er sich an eine Idee für ein Spiel mit Horrorthematik für die Playstation, in dem ein Geisterhaus im Mittelpunkt stehen soll. Das Ergebnis dieser Idee war das Spiel „Biohazard / Resident Evil“, ein Action-Adventure im Survival-Horror, welches polygonbasierte, dreidimensionale Figuren und Objekte mit bereits vorgerenderten Hintergründen kombinierte – ein Meilenstein in der darstellenden Grafik der ersten Playstation.

Daraufhin wurde Mikami zum Manager befördert und arbeitete als Ausführender Produzent für diverse Spiele, darunter auch für das Original „Devil May Cry“, das ursprünglich zur „Resident Evil“-Serie gehören sollte. 2001 traf Mikami mit Nintendo eine Übereinkunft, wonach die „Resident Evil“-Spiele nur für den Nintendo GameCube erhältlich sein würden, wahrscheinlich seine mit am meisten kontroverse und diskutierte Entscheidung. Neben einem Remake des Originals „Resident Evil“, Resident Evil Zero und Resident Evil 4 für die bisherigen Ports auf Playstation und Sega-Dreamcast erschienen Spinoffs wie „Gun Survivor“ und „Outbreak“, die nicht zur Vereinbarung gehörten. Trotzdem blieb Mikami bei seiner Haltung gegenüber Nintendo und gab die Entwicklung von vier weiteren Titeln – ausschließlich für den GameCube – bekannt.

Die Verkäufe von „Resident Evil Zero“ und „Resident Evil“ entsprachen nicht den Erwartungen von Capcom, weshalb sie über Mikamis Kopf entschieden, die übrigen 5 Titel auch auf der Playstation 2 zu veröffentlichen. Capcom schrieb den Misserfolg der Spiele dem Vertrag mit Nintendo zu; wobei das Problem mehr an Capcom selber lag und nicht an Mikami, da sie versuchten, in den frühen 2000ern mehrere Spiele unter dem Titel von „Resident Evil“ zu verkaufen. In der Spanne von 2000 und 2004 erschienen 9 Spinoffs, die mehr oder weniger als Misserfolge zu verzeichnen waren. Besonders störte es die Fans, dass von dem Horror-Element und den Rätseln, die das Spiel ausmachen, weggegangen wurde und man sich mehr auf Action fokussierte.

2005 erschien „Resident Evil 4“ und überzeugte die Fans wieder. Es war eines der meistverkauften Spiele für den GameCube, weltweit wurden davon über 1,2 Millionen Exemplare verkauft. Trotz des Erfolges entschied sich Mikami dazu, das Studio zu wechseln; und als Capcom die Schließung jenes Studios bekannt gab, verließ er Capcom komplett und gründete mit zwei Kollegen ein neues, unabhängiges Studio. Unter dem Namen „Platinum Games“ setzte er sich an die Entwicklung eines weiteren Survival-Horror-Spiels namens „The Evil Within“. Im Februar 2023 wurde bekannt, dass er auch dieses Studio verlassen würde.

Im Nachgang werden nun ein paar Spiele dieser Reihe und deren Handlungen erzählt. Grundlegend geht es in den meisten Spielen der Reihe um den sogenannten „T-Virus“, der von einem erst unscheinbaren Pharmakonzern namens „Umbrella Corporation“ im Geheimen kreiert wurde. Die mit dem Virus Infizierten mutieren nach einiger Zeit zu blutrünstigen Zombies.

Resident Evil (1996)

Kampfszene gegen einen Infizierten in „Resident Evil 1“

Kampfszene gegen einen Infizierten in „Resident Evil 1“

Die Handlung spielt in einem alten Herrenhaus, dem Spencer-Anwesen, das in einem Wald in der Nähe der fiktiven Kleinstadt Raccoon City liegt. Dort ist der geheimnisumwobene Pharmakonzern namens Umbrella Corporation einer der Hauptarbeitgeber, der – neben legalen Forschungen – verdeckt an einer Biowaffe arbeitet. Skrupellose Forscher kreieren das sogenannte T-Virus, durch welches ein Wirt nach kurzer Zeit mutiert und nur noch einem Urinstinkt folgt: Fressen. Das Virus besitzt eine beschleunigte Zersetzung, die bewirkt, dass seine Opfer zu lebendigen Toten werden. Ein ultimativer Test findet in dem Spencer-Anwesen statt, wo die Belegschaft des Herrenhauses sowie die des dort liegenden versteckten Labors unwissentlich infiziert werden.

Einige der Infizierten sind aus dem Herrenhaus ausgebrochen und haben auf der Suche nach Nahrung ahnungslose Wanderer im Wald gefunden und diese getötet. Nachdem einige verstümmelte Leichen gefunden wurden, wurde das Bravo-Team des Spezialkommandos S.T.A.R.S. (Special Tactics And Rescue Service) entsandt, um für Aufklärung zu sorgen. Doch es kommt zu einem Unfall: Der Hubschrauber des Bravo-Teams stürzt ab, woraufhin das Alpha-Team zur Rettung ausrücken muss. Dabei sieht die Umbrella Corporation eine Möglichkeit für einen weiteren Testlauf, um die wahre Stärke des T-Virus zu testen.

Der Spieler oder die Spielerin schlüpft hier wahlweise in die Haut von Jill Valentine und Chris Redfield, die zum Alpha-Team des Spezialkommandos gehören und deren Mission es ist, das Verschwinden des Bravo-Teams sowie die mysteriösen Todesfälle rund um das Herrenhaus aufzuklären.

Resident Evil 2 (2000)

Leon Kennedy und Claire Redfield, die beiden Hauptcharaktere aus „Resident Evil 2“

Leon Kennedy und Claire Redfield, die beiden Hauptcharaktere aus „Resident Evil 2“

Der zweite Teil der Reihe spielt zwei Monate nach dem Vorfall im Spencer-Anwesen, wo die Umbrella Corporation eine eigene Spezialeinheit entsendet, um den von William Birkin neu entwickelten G-Virus zu stehlen. Als diese Aktion jedoch fehlschlägt, breitet sich das Virus in ganz Raccoon City aus. Claire Redfield macht sich auf nach Raccoon City, um nach ihrem Bruder Chris Redfield zu suchen, welcher einer der Protagonisten aus dem ersten Teil war und nach seinem Einsatz im Herrenhaus spurlos verschwand. Zu diesem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, dass die dortigen Bewohner bereits zu Zombies mutiert sind.

Gleichzeitig trifft in einem anderen Teil von Raccoon City der frisch ausgebildete Polizist Leon Scott Kennedy ein, um seinen Dienst im örtlichen Revier anzutreten und ist über den dort herrschenden Zustand überrascht.

Nachdem beide Charaktere ihren ersten Kontakt mit den lebenden Toten erfahren und überleben, treffen sie zufällig aufeinander und beschließen, in einem Streifenwagen Richtung Polizeirevier zu fliehen. Allerdings werden sie nach einem Unfall wieder getrennt und schlagen sich unabhängig voneinander bis zum Polizeirevier durch. Nach und nach erfahren sie von Birkins Beteiligung an der Entwicklung des G-Virus. Leon trifft im Spielverlauf auf Ada Wong, die zuerst vorgibt, ihren Freund zu suchen, aber im späteren Verlauf als Agentin enttarnt wird, die die Hinterlassenschaften der Umbrella Corporation sichern soll. Wong opfert im Lauf der Geschichte ihr Leben, um das von Leon zu retten.

Claire hingegen erfährt von dem Außeneinsatz im Herrenhaus und kann ihren Bruder schlussendlich nicht ausfindig machen, weshalb sie beschließt, mit Leon aus der Stadt zu flüchten. Die Flucht führt beide in die Kanalisation der Stadt, die sich als der Ort entpuppt, an dem das G-Virus freigesetzt wurde. Dort erreichen sie schließlich das Forschungslabor und finden den bereits mutierten William Birkin vor, den es zu besiegen gilt. Sie finden auch Sherry, die Tochter von Birkin und beschließen, mit ihr aus der Stadt zu fliehen. Dazu nutzen sie einen unterirdischen Bahnhof samt Zug, der ihnen hilft zu entkommen. Bevor es zum Endkampf mit Birkin kommt, finden sie beim Durchsuchen einiger Dokumente im Forschungslabor heraus, dass die zwölfjährige Sherry mit dem T-Virus infiziert ist, aber als Einzige resistent dagegen zu sein scheint.

Hauptmenü von „Resident Evil 4“ mit dem Logo des Spiels (Quelle: cdn.mobygames.com)

Hauptmenü von „Resident Evil 4“ mit dem Logo des Spiels

Resident Evil 4 (2005)

Der vierte Teil der Reihe ist neben den Spinoffs das letzte Werk, an dem der Schöpfer Shinji Mikami mitgearbeitet hat und als Regisseur diente.

„Resident Evil 4“ spielt im Herbst 2004, also kurz vor dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des Spiels und sechs Jahre, nachdem die Umbrella Corporation vermeintlich zerschlagen wurde. Der aus dem zweiten Teil bekannte Leon S. Kennedy ist nun für die US-Regierung tätig und bekommt den Auftrag, die Tochter des US-Präsidenten, Ashley Graham, aus den Händen der Los-Illuminados-Sekte zu befreien.

Der Aufenthaltsort der Sekte wird im fiktiven Dorf Pueblo in Spanien vermutet. Dort erfährt Leon durch den spanischen Wissenschaftler Luis Sera mehr über Los Illuminados und deren Hintergründe sowie ihren Plan, Menschen mittels des Las-Plagas-Parasiten zu kontrollieren. Dieser Parasit übernimmt das zentrale Nervensystem des Wirts und macht diesen damit vollständig willenlos. Sowohl Leon als auch Ashley werden mit diesen Parasiten infiziert mit dem Ziel, dass sie, wenn sie nach Amerika zurückkehren, dort alle wichtigen Entscheidungsträger des Weißen Hauses (inkl. des US-Präsidenten) infizieren, um so die Weltherrschaft zu übernehmen. In dem Dorf kämpft Leon gegen mehrere Kreaturen, wie einen Riesen, ein Seeungeheuer und den durch den Parasiten mutierten Bürgermeister von Pueblo.

Im Laufe seiner Mission trifft Leon auf die totgeglaubte Agentin Ada Wong, die er während der Ereignisse in Raccoon City bereits kennengelernt hatte und erfährt, dass sie im Auftrag von Albert Wesker dort ist, einer der Hintergrundfiguren der Umbrella Corporation. Leon und Ashley flüchten vor den infizierten Dorfbewohnern in ein Schloss, aber der Besitzer des Schlosses gehört ebenfalls dem Kult an. Die in Panik geratene Ashley läuft in einem Kampf gegen den Besitzer weg, wird von der Sekte wieder eingefangen und in eine Forschungseinrichtung auf einer nahegelegenen Insel gebracht. Nachdem Leon den Großteil der Sekte besiegt hat, trifft er auf seinen ehemaligen Kameraden Jack Krauser, der – wie Ada Wong – vermutlich auch für Albert Wesker arbeitet und deshalb bei den Illuminados eingeschleust wurde. Krauser hat sich mit einer speziellen Form des Las-Plagas-Parasiten infizieren lassen und zwingt Leon dadurch, gegen ihn zu kämpfen, bevor er sich auf die Suche nach Ashley machen kann.

Ada zwingt Leon dazu, ihr die Probe des Parasiten zu übergeben (Szene vom Ende in „Resident Evil 4“)

Ada zwingt Leon dazu, ihr die Probe des Parasiten zu übergeben (Szene vom Ende in „Resident Evil 4“)

In dem unterirdischen Komplex der Forschungseinrichtung findet Leon letztlich Ashley und flüchtet mit ihr. Sie finden auch einen Weg, die Parasiten aus ihren Körpern zu entfernen. Am Ende kommt es zum Showdown mit dem zu einer großen Kreatur mutierten Anführer der Sekte, Osmund Saddler. Der Kampf scheint erst aussichtslos, doch mit Hilfe von Ada Wong, die Leon einen Spezial-Raketenwerfer zuwirft, gelingt es ihm, Saddler zu besiegen. Nachdem der Kampf vorbei ist, zwingt Ada Leon, ihr eine Probe des Parasiten zu übergeben, den Saddler bei sich trug, bevor sie mit einem Helikopter fliehen kann, um die Probe bei ihrem Auftraggeber abzugeben. In einem Zusatzkapitel der Geschichte findet man heraus, dass Ada Wong tatsächlich als Doppelagentin in Weskers Organisation eingeschleust wurde. Zum Schluss können Leon und Ashley auf einem Jet-Ski entkommen, während hinter ihnen die Insel explodiert.

Auch ohne den Schöpfer lebt Resident Evil weiter.

Selbst nachdem Mikami Capcom verlassen hatte, gab es noch weitere Spieletitel zur Welt von „Resident Evil“. Der letzte und achte Teil der Reihe erschien am 07. Mai 2021 unter dem Namen „Resident Evil Village“. Es wurden weitere Teile und Remakes von älteren Spielen geplant und angekündigt, die über die Jahre hinweg erschienen sind. Erst letztens, im Jahr 2023, erschien ein Remake des vierten Spiels.

Aber das Franchise besteht nicht nur aus Spielen, sondern auch aus Filmen. Insgesamt erschienen 6 Filme mit Milla Jovovich in der Hauptrolle, die „Resident Evil“ zugeschrieben wurden und mehr Action als Horror waren, aber eine eigene Geschichte verfolgten. Ein Neustart der Reihe wurde 2021 als „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ veröffentlicht. 2022 erschien auf Netflix eine Serien-Adaption der Reihe, die mehr an den Spielen orientiert war.

Warum genau Mikami seiner eigenen Schöpfung den Rücken kehrte, weiß man nicht. Fans spekulieren darüber, dass es wohl die Geldgier von Capcom war und dass sie Entscheidungen teilweise über seinen Kopf hinweg getroffen haben, was Mikami dazu brachte, „Resident Evil“ komplett in den Händen von Capcom zu lassen.

Ein Beitrag von Pia Papadopoulos

Quellen und weiterführende Links:
• de.wikipedia.org: Shinji Mikami
• de.wikipedia.org: Resident Evil (Computerspielreihe)
• de.wikipedia.org: Resident Evil (Computerspiel, 1996)
• de.wikipedia.org: Resident Evil 2
• de.wikipedia.org: Resident Evil 4
• de.wikipedia.org: Resident Evil (Realfilmreihe)
• de.wikipedia.org: Resident Evil (Fernsehserie) 

Bildquellen:
• Titelbild (Ausschnitt): Resident Evil (games in order) auf www.dexerto.com
• Shinji Mikami in Tokio (2013) – von Antonio Fucito (www.flickr.com), CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons
• Ingame Szene von „Resident Evil 1“ (Kampfszene gegen einen Infizierten): static.wikia.nocookie.net
• Die beiden Hauptcharaktere in „Resident Evil 2“: 
www.evilresource.com
• Hauptmenü von „Resident Evil 4“ mit dem Logo des Spiels (Screenshot): cdn.mobygames.com
• Szene vom Ende in „Resident Evil 4“: m.media-amazon.com 


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