»Was ist die KBT-Therapie?« – In ihrem neuen Beitrag beantwortet Jean Mertznich (AlexOffice) diese Frage mit einigen Fakten und vor allem mit der Schilderung ihrer eigenen Erfahrungen. Auch mit ihren selbst gestalteten Illustrationen bringt uns Jean das Thema näher. 


 

Was ist die KBT-Therapie?

Die Konzentrative Bewegungstherapie, auch kurz KBT genannt, ist eine körperorientierte psychotherapeutische Möglichkeit, bei der die Wahrnehmung und Bewegung als Grundlage des Denkens, Fühlens und des eigenen Handelns therapeutisch genutzt wird.

Wie wird in der KBT gearbeitet?

Zur therapeutischen Arbeit gehört ein grundlegender Handlungsteil, bei dem die Selbstwahrnehmung in Ruhe und in der Bewegung in Beziehung zum umgebenden Raum und zur Zeit angeregt wird.

Das Erlebte wird auf tiefenpsychologisch orientierter Grundlage reflektiert und durch verschiedene Gedankengänge vertieft.

Dabei können die Erinnerungen bis in die frühe Kindheit zurückreichen.

So werden zum Beispiel tiefgründige und unbewältigte Konflikte an die Oberfläche getragen; diese erscheinen dann im körperlichen Sinne als Haltung, Bewegung oder im Verhalten.

Hier setzt eine Besonderheit der KBT an:

Die Arbeit mit Symbolen (von z.B. Gegenständen, Farben usw.), die die Fähigkeit von Menschen fördern, bisher nicht in Worte fassbare Gefühle zu differenzieren und mitteilen zu können.

Dadurch kann die aktuelle Beziehung zu sich und anderen vor dem Hintergrund früherer Erfahrungen im Hier und Jetzt begreifbar werden.

Die gewonnenen Erkenntnisse können so durch ein „Handeln auf ­­­Probe“ innerhalb der Therapie zu neuen Strategien führen: über die Betrachtung, Abwägung und Distanzierung von belastenden und kränkenden Erfahrungen, so werden Selbstvertrauen und die eigene Handlungskompetenz gestärkt. Dabei werden auf spielerische Art und Weise neue und oft verblüffende Lösungsansätze sowie verschiedene Lösungswege verdeutlicht.

Warum befasse ich mich mit dieser Art von Therapie oder möchte sie euch gerne näherbringen?

Sitzen im Kreis 
(Grafik von Jean Mertznich zu ihrem Artikel "Was ist die KBT?")Ganz einfach: ich konnte durch diese Therapie sehr gute Erfahrungen sammeln und viele Erfolge im Rahmen meiner Therapiearbeit erreichen! Ich konnte viele meiner eigenen Themen bearbeiten und auch abschließen, was so alleine in der Verhaltenstherapie (Gesprächstherapie) nicht möglich war. Denn wer mich richtig gut kennt, weiß, dass Reden über Eingemachtes nicht so meine größte Stärke ist!!

In den ersten Berührungen mit der KBT in meiner Kliniklaufbahn dachte ich so: „Was soll das ganze Rumgehopse und Bewegen im Kreis!? Bin ich irgendwie im ‚Kinder-Bodenturnen‘ gelandet??“

Irgendwie konnte ich nicht viel damit anfangen, vielleicht lag es an der Therapeutin. Keine Ahnung, auf jeden Fall fand ich das alles ein bisschen komisch!

In Bewegung 
(Grafik von Jean Mertznich zu ihrem Artikel "Was ist die KBT?")In meinem Klinikaufenthalt 2022 lernte ich dann aber eine neue KBT-Therapeutin kennen, sie gab mir ein komplett neues Bild über Arbeit in der KBT und schaffte es auch, mich in relativ kurzer Zeit zu „knacken“!

Erst dachte ich bei ihr die ganze Zeit, was will die eigentlich von mir, sie soll mich doch einfach in Ruhe lassen! Ist doch alles völliger Schwachsinn, was die uns hier verklickern will mit ihren „schlauen“ Sprüchen, so wie diesem:

»Sie können nichts bewegen, wenn sie nicht anfangen, sich selber zu bewegen!«

Aber ich wurde eines Besseren belehrt, und irgendwann hat es „Klick“ gemacht bei mir im Kopf – und ich wusste genau, was sie damit gemeint hatte.

So konnte ich mich dann auf die Therapie einlassen und viele neue Erfahrungen sammeln, sowohl im Gruppen- wie auch im Einzelsetting, wobei ich sagen muss, dass die Gruppenarbeit ja nicht so mein Fall ist, aber durch diese Therapie habe ich sie schätzen gelernt!

Denn dort konnte ich meine Ängste und Befürchtungen Stück für Stück ablegen, und so fiel es mir leichter, mich auch in den anderen Gruppentherapien aktiv zu beteiligen.

Im Frühjahr 2024 bekam ich dann auch endlich die Möglichkeit, an einer ambulanten KBT-Gruppe teilzunehmen, die mich im ambulanten Rahmen total darin unterstützt hat, kleinere Krisen selber bewältigen zu können und so nicht akut im stationären Rahmen zu landen!! Das ist für mich sehr wichtig, denn ich ziehe eine ambulante Therapie der stationären vor, da ich so meine gewohnte Tagesstruktur beibehalten kann, aus der mich ein stationärer Aufenthalt immer sehr rausbringen kann.

Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit und diese Erfahrung!!

Ich hoffe, ich konnte euch durch meine Erfahrungen die KBT-Therapie  ein bisschen näher bringen und zeigen, dass es viele verschiedene tolle Therapiemöglichkeiten außer den alt bekannten und gängigen Methoden gibt.

Ein Beitrag von Jean Mertznich (Text und Illustrationen)

Weiterführender Link: Konzentrative Bewegungstherapie – Wikipedia


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