Michael Ehrhardt betrachtet in seinem Text Weihnachten mal von einer besonderen Seite: Ein satirischer, nicht ernst gemeinter Ratgeber für Feierlichkeiten bei Verwandten oder Freunden!
Bitte beachten: Während des Lesen dieses Textes sollte auf den Verzehr von Getränken verzichtet werden, das Team des Xblogs übernimmt keine Haftung für eventuell entstehende Schäden durch Lachen.

Jedenfalls … viel Spaß bei diesem Ratgeber und bitte nicht alles allzu ernst nehmen!


Weihnachten bei der Familie – Oder wie komme ich da nur wieder raus?

Einleitung

Wer kennt das nicht. Man ist bei den Eltern, Verwandten, Whatever eingeladen. Besonders dann, wenn man diese doch eigentlich gar nicht sehen kann, sehen will, und oder sehen sollte. Das verwandtschaftliche Grauen zu Weihnachten als Bescherung halt.

Merke: Es geht immer noch schlimmer als ein kerniges Konfrontiert werden mit betrunkenen Nikoläusen in Kaufhäusern, auf Autobahnen schlangenlinienfahrend, hupend und dabei „HoHoHo“ rufend und den üblichen Großeinkäufen auf den letzten Drücker, wenn fast nichts Gescheites mehr zum Einkaufen da ist.

Nun ist es also an der Zeit dafür, sich gründlichst auf das schlimmste Grauen eines jeden Jahres vorzubereiten. Ganz wichtig dabei ist es, sich das immer wieder aufs Neue zu sagen. Vor dem Spiegel beispielsweise nach Bedarf! Auf geht es zum Besuch bei der buckeligen Verwandtschaft. Olé!

Dieser Ratgeber soll aufzeigen, dass man mit etwas Humor dabei doch noch eine schöne Zeit haben kann. Selbst, wenn man zu Weihnachten von der buckeligen Verwandtschaft eingeladen wurde, diese für Sie erst einmal dunkle Zeit damit zu verbringen. Also alles im Lot auf dem Boot…

Vorbereitung

Verteilen Sie 2 Tage vor der Weihnachtsfeier bei der buckeligen Verwandtschaft, an die Nachbarn der näheren Umgebung um die Adresse der Gastgeber einen Handzettel, indem Sie als teilnehmender Besucher davor warnen, dass es bei der Weihnachtsfeier bei den und den Damen und Herren da und da (Namen und Hausnummer bitte deutlich erkennbar markiert und unterstrichen aufführen) laut werden könnte und Besucher zahlreich in der Straße parken könnten. Drücken Sie unabhängig von der Weihnachtsfeier bei der Sie eingeladen sind, ihre Hoffnung darüber aus, dass niemand Schlangenlinien fährt und oder mittels lautem rum hupen die Nachbarn an dessen Autofahrt teilhaben lässt. Es soll ja niemand körperlich und oder dessen Stolz verletzt werden. Muss ja nicht sein.

Ankunft

Kommen Sie möglichst früh an. Eine Stunde vor Einladungstermin wäre ideal. Klingeln Sie jetzt aktiv Sturm und klopfen anschließend übertrieben ans Fenster. Sie haben die Handynummern der Gastgeber und oder anderer Gäste zur Hand? Rufen Sie an um nachzufragen, wo die anderen denn blieben. Und überhaupt, warum man Sie jetzt draußen ganz unweihnachtlich in der Kälte lässt. Wenn niemand dran geht, schicken Sie im Abstand von jeweils 1 Minute diesbezügliche SMS bis sich mal jemand meldet.

Begrüßung

Zu der Gelegenheit vorweg noch der Hinweis, der Spruch „Lass Blumen sprechen“ passt insebsondere hier wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Blumen müssen beziehungsweise sollten die Persönlichkeit des Gastgebers/der Gastgeberin stilvoll ansprechen. Deshalb bietet es sich an, zur Begrüßung einen mit möglichst vielen Stacheln versehenen Kaktus als Geschenk mitzubringen und als allererstes aktiv zu überreichen. Profis garnieren dies mit einer ersten kleinen Gemeinheit. Machen Sie also nicht nur keine Komplimente, sondern lästern Sie während der Übergabe der kleinen Aufmerksamkeit zusätzlich ganz konkret über die Mode des Gastgebers/der Gastgeberin.

Tipp

Sie sollten dabei am besten einen Vergleich mit den scheußlichen Weihnachtspullovern und T-Shirts auf Temu ziehen, die Sie als Weihnachtsgeschenke mitgebracht haben. Dies in bester Ebenezer Scrooge Manier, weil Weihnachten für Sie ja eh Humbug sei. Diese seien als Ergebnis etwas fürs Auge. Dann betonen Sie zusätzlich, dass diese genauso etwas für die Nase seien. Was die Beschenkten nicht wissen, Temu ist bekannt dafür, dass Mode mit chemischen Erzeugnissen für die Lagerung extra eingesaut wurde. Dies aus lagertechnischen Gründen. Dazu betonen Sie, nachdem Sie die Beschenkten mit den von Ihnen ausgepackten Weihnachtspullovern- oder T-Shirts abgeworfen haben, diese müssten tief Luft holen, um den spezifischen Geruch der Weihnachtsüberraschung explizit einzuatmen. Außerdem sollten Sie, bei der Gelegenheit nachfolgend eine musikalische Aufmerksamkeit überreichen. Es empfiehlt sich hier sowohl aus finanziellen Gründen, als auch, um über den ganzen Abend verteilt, regelmäßig einheitlich zu provozieren, die mittlerweile auf Wühltischen und Gebrauchtwarenshops, Trödelmärkten und so weiter verramschte CD „Deutsche Weihnacht und festliche Lieder“ von Heino aus den Vorjahren zu verschenken. Umso gebrauchter und verschlissener aussehend, umso besser …

Provokationen

Verteilen Sie im ganzen Raum zu Papierfliegern verarbeitete Noten zu den Liedern auf der Heino CD zum Mitsingen, auch wenn, worauf Sie Wert legen, Sie trotzdem Weihnachten als Humbug ansehen. Wenn angefangen wird, zu singen, unterbrechen Sie den Gesang mit der lautstarken Frage nach einem Getränk für ihr nervliches Wohl, weil Weihnachtslieder für Sie nur so zu ertragen seien. Wenn man Ihnen kein passendes Getränk zur Beruhigung anbietet, rennen Sie als nächstes in die Küche, öffnen darin angekommen, sogleich den Kühlschrank und schauen mit aufgesetzt angestrengtem Gesichtsausdruck mehrere Sekunden abwechselnd in diesen und durch den Raum, um etwas für Sie Passendes zu finden.

Knallen Sie anschließend die Tür des Kühlschrankes zu, so fest Sie können. Setzen Sie sich nun direkt irgendwo hin und lästern Sie über die mangelnde Rücksicht auf Ihre Gefühle als Weihnachtskritiker. Weihnachten sei für Sie eben nur mit dem Konsum von Getränken zur nervlichen Beruhigung zu ertragen.

Tun Sie danach erstmal nichts, und seien Sie ganz still. Nehmen Sie 2 bis 4 Minuten später von jetzt auf gleich alle am Gästetisch erreichbaren Getränke an sich und versuchen nun, diese nach dem Zufallsprinzip allen am Tisch sitzenden Familienmitgliedern aktiv einzuschenken.  Achten Sie dabei darauf, das Ihnen gelegentlich etwas daneben geht. Auf die Hose, in den Nacken, über den Kopf der trotz Ihrer aktiven Anwesenheit gegebenenfalls noch immer Mitfeiernden.

Beginnen Sie anschließend unaufgefordert Konversationen zu Themen, von denen Sie genau wissen, das Mitfeiernde diese nicht vertragen können. Nehmen Sie hier ganz bewusst kontroverse Positionen ein. Möglichst kompromisslos. Profis bezeichnen Fakten, mit denen man Ihnen begegnet, als Fake News. Und fügen sinngemäß etwas ein wie „war ja klar, dass das von Dir kommt.“ Seien Sie hier gegebenenfalls bewusst unpersönlich per Sie, um hierbei noch mehr zu provozieren. Kraftausdrücke optional.

Reaktion aufs Essen

Sie sind noch immer nicht rausgeflogen? Dann legen Sie jetzt richtig los.

Bieten Sie sich dazu an, wie zuvor bei den Getränken, das Essen auf die Mitfeiernden zu verteilen. Schielen Sie dann schelmisch grinsend und dabei angestrengt überlegend wirkend, immer abwechselnd auf die Speisen und auf die Mitfeiernden. Da Ihnen daraufhin wahrscheinlich niemand das Feld des Servierens überlässt, setzen Sie sich übertrieben die Arme verschränkend und Humbug murmelnd an irgendeinen Platz.

Lästern Sie nun, sobald das Essen aufgetragen wird, über dieses so ausschweifend Sie können, Gang für Gang, frech grinsend, über „den Fraß“. Fragen Sie die Gastgeber dabei immer wieder nach einer Zigarette, um den Geschmack von der Zunge zu bekommen. Und dann nach Ketchup, Senf oder Mayonnaise, sowie Salz und Pfeffer zum Nachwürzen. Ganz nach Bedarf. Dies mit der Andeutung, man könne das Essen ja eh nur so ertragen. Tun Sie danach so, als wollten Sie das Essen auf Ihrem Teller zurück in den Topf, die Schüssel oder ähnliches zurückgeben. Wenn Sie nach Bedarf dem Ganzen die Krone aufsetzen wollen, fragen Sie gezielt zum Dessert nach, wo die Toilette wäre zum Übergeben. Selbst, wenn Sie diesen schon kennen sollten!

Der Abgang

Für den Fall, das Ihre ständigen Provokationen noch immer nicht erfolgreich waren, sollten zuletzt die schwersten Geschütze aufgefahren werden. Dafür haben Sie selbstverständlich zuvor die vom Haus der Gastgeber aus nächstgelegenen Parkverbot Schilder mit Tüten überdeckt, oder ggf. mit einer ausreichend hohen Wanduhr rechtzeitig zu der Zeit, wo alle Mitfeiernden schätzungsweise erwartet werden, die Sicht verstellt ist. Profis geben zu später Stunde vorzugsweise mit Entschuldigung vor, man müsse auf Toilette rausgehen, und verständigen in dieser sogleich angekommen, mit unterdrückter Rufnummer bzw. verstellter Stimme das Ordnungsamt. Anschließend, sobald man den erwartbar bestellten Abschleppwagen draußen gewahr wird, fragt man die Runde mit bestmöglich unschuldiger Mine, ob das deren Wagen sind, die da gerade abgeschleppt werden.
Sie sind noch immer nicht rausgeflogen? Dann treten Sie die Flucht nach vorn an und gehen einfach selbst. Sie hätten Nachgedacht, und das Gedachte hätte Ihnen endlich die Augen geöffnet. Beenden Sie Ihre Ausführungen jetzt laut lachend mit „Ihr könnt mich alle Mal“ und gehen anschließend nach draußen vor die Tür.
Draußen angekommen spielen Sie sogleich zum Abschluß des Abends den Song Fuck Christmas laut mit Ihrem Handy ab und singen dabei den Text mit freudvoller Stimme so laut wie Sie können mit, ohne dabei schief und/oder schlecht zu klingen. Tun Sie es solange Sie vom gerade noch verlassenen Haus zu sehen sind, dem Sonnenuntergang entgegen Ihrer Wege ziehend.

Ende

 

Ein Beitrag von Michael Ehrhardt

Bildquelle Freepik


Auch du kannst dein Gedicht, deinen Text, deine Erfahrung oder auch deinen Podcast bei uns einreichen. Unter Kontakt findest du unsere Ansprechpartner. Schick uns dein Werk und wir veröffentlichen es.