Yoga und Cornelia Schmitz aus dem AlexOffice haben zusammengefunden. – In ihrem entspannten Artikel »Ich hab mein Yoga lieb« beschreibt sie uns, wie und warum … 


 

»Ich hab mein Yoga lieb«

Niemals hätte ich gedacht, dass Yoga und ich zusammenfinden könnten. Alle damit verbundenen Angelegenheiten wie Achtsamkeit, Meditation, bewusstes Atmen, autogenes Training, Feldenkrais, Körperwahrnehmung nach Jacobsen, Spiritualität im Allgemeinen, etc. pp kurz: Alles was aus dieser Ecke kommt, meide ich wie der Dalai Lama die Chinesen. Es ist nicht so, dass ich direkt was dagegen hätte, ich habe es auch ausprobiert, nicht immer freiwillig, im Rahmen meiner nicht immer freiwilligen Aufenthalte in psychiatrischen Instituten.

Doch es bleibt dabei: All das macht mich nervös, gereizt und kribbelig. Sobald jemand mit dieser super-relaxten Stimme sagt: „Und jetzt nimm ganz entspannt wahr, wie du ganz entspannt auf dem Stuhl sitzt/ auf der Matte liegst/ dich im Hier-und-Jetzt befindest, könnte ich aus der Haut fahren, ist nun mal so.

Yoga ging.

Warum? In ganz jungen Jahren, ich war ein Teenager, begann für mich die Zeit der Diäten. Ich sah ein Buch mit einer schlanken Blondine, die hatte einen ganz straffen Bauch. Überschrift Yoga: Übungen für jeden Tag. Ich kaufte das Buch. Und damit begann meine große Liebe zu den fernöstlichen Asanas (den Übungen), die bis auf den heutigen Tag, Jahrzehnte später, anhält. Dabei bin ich ein Sportmuffel, ich mag die Anstrengung im Körper nicht spüren.

Das ist das Schöne beim Yoga: Die Entspannung ist mindestens ebenso wichtig wie die Anspannung. Und Entspannung können wir weiß Gott gebrauchen.

Meine kleine Wellnessoase betrete ich jeden Morgen vor dem Frühstück, das hat sich so eingebürgert. Ich habe spezielle Musik hierfür, die schalte ich an und los geht’s. Erstmal Vierfüßlerstand und Rücken durchdrücken, aaaaahhh…wunderbar. Im Grunde macht man mit Yoga das, was auch die Tiere tun, etwa Hunde und Katzen: Sie dehnen und strecken sich nach allen Seiten; insbesondere machen sie den Rücken lang, ist Ihnen das schon einmal aufgefallen? Vielleicht liegt es also an der allmorgendlichen „Kobra“, dass ich –  toi- toi- toi – bislang keine Rückenschmerzen habe, obwohl ich viel sitze. Und wenn doch, reicht eine „Kopf- und Beinstreckung“ im Stehen, damit alles wieder ins Lot kommt.

Ich habe mit den Asanas eine Routine entwickelt, auch das hat sich so eingebürgert, erst kommt der Rücken dran, dann die Schultern, der Bauch, schließlich die Beine. Ich spüre die Anstrengung vor allem bei den Bauchübungen, das schon, doch wie gesagt, nach der Anstrengung kommt das Lösen. Eine meiner Lieblingsübungen ist der „Schwamm“ – das ist quasi nichts Anderes als Liegen auf dem Rücken, respektive Einsinken in den Boden mit allen Gliedern. Und das ist Sport, ich fass es nicht.

Und trägt mir viel Lob bei meinen Mitmenschen, auch beim Hausarzt ein: Wer sagt, er mache Yoga, wird anders betrachtet, als der, der nur ein paar Klimmzüge am offenen Fenster macht: Oh Yoga, Respekt, du bist bestimmt wahnsinnig bewusst.  Dabei bin ich in etwa so bewusst wie ein Knacki auf Droge, aber egal, steht sogar in meiner Akte beim Hausarzt: Patientin betreibt Yoga.

Apropos bewusst: Es stimmt, dass ich genau darauf achte, wo es zerrt, spannt oder sogar schmerzt. Man kann die Dauer der Asanas steigern oder die Intensität rausnehmen, das liegt ganz im eigenen Ermessen. Das könnte man natürlich auch bei den Klimmzügen machen, klar, aber der Unterschied zur herkömmlichen Gymnastik besteht vor allem darin, dass man die Position „hält“, d.h. man macht eine Übung 3-5mal und hält sie jeweils bis zu 30 Sekunden (oder länger, wenn man es schafft) – zwischendurch macht man eine „Pause“ und atmet durch, bzw. weiter. Man macht also nicht 30 (ätzende) Kniebeugen, sondern es kommt auf die Dauer an (und die Dauer der Pause).

Die umfassende Kombination aus Musik, An- und Entspannung, Atemübungen und vielleicht einer Prise fernöstlicher Mystik; auch die Macht der Gewohnheit führt jedenfalls dazu, dass ich im Yogazeitraum mit mir selbst zufrieden bin, mich auf diesen Raum freue. Ich mache die Musik an und bin schon entspannt, so ist das. Bei Klimmzügen denkt man eher an Turnvater Jahn, an Drill und stillgestanden, bei Yoga eher an Buddha, sanfte Klänge und liebliche Düfte.   Und hinterher fühle ich mich einmal durch und durch massiert, gedehnt und gestreckt.

Je nachdem wie intensiv man die Übungen betreibt (Dauer und Wiederholung), kommt man vergleichbar auf ein Ausdauertraining, das etwa einem zügigen Spaziergang entspricht oder einem moderaten Krafttraining mit dem eigenen Gewicht; ganz ohne Anmelde- und Jahresgebühr. Und auch ganz ohne großartige Sportausstattung: eine Isomatte und etwas Platz reichen. So kann man seinen Sport überall mit hinnehmen, nach der eigenen Lust und Laune, dem eigenen Tempo.

Habe ich aber nun dadurch einen strafferen Bauch gekriegt, wie ursprünglich gewollt? Nein, das nicht. Die Asanas haben die Pölsterchen nicht weggezaubert (allerdings kamen auch nicht allzu viele dazu). Und ich habe auch nicht zur Erleuchtung gefunden.

Dafür habe ich aber ein Instrument an der Hand, eine Gewissheit, dass ich mir und meinem Körper helfen kann, an jedem Ort, zu jeder Zeit, alleine und zuverlässig.

Und das ist doch schon mal was.

Ein Beitrag von Cornelia Schmitz
Foto (Ausschnitt) von Eneko Uruñuela auf Unsplash


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