Rock’n’Roll in memoriam – Eine Geschichte über den Rock’n’Roll und warum er nicht klein zu bekommen ist von Jan Thun.

 

Die Geburtsstunde des Rock’n’Roll soll auf das Jahr 1951 zurückgehen und in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Namen Alan Freed stehen. Freed war Radio-DJ und Förderer zahlreicher Künstler der 50er, u.a. Chuck Berry – Initialzünder aber soll der Song „Rock Around The Clock“ von Bill Haley & THE COMETS (man beachte den kleinen Wortwitz: Haley wie Halley, der Komet).

Die Wurzeln des Rock´n´Roll liegen im Rhythm & Blues, dem Boogie, aber auch Swing, Folk und Country hielten Einfluss in seine Ausbildung zur vollen Größe. Übersetzt bedeutet es so viel wie „Wiegen und Wälzen“, ein sinnbildlicher Ausdruck für den Geschlechtsakt. Eine neue Jugendkultur inklusive neuem Lebensgefühl war geboren. Älteren Generationen erschien diese Musik als schmutzig und verrucht, dabei war den Vorgängern und dem direkten Vorboten Bebop (einer Abwandlung des Jazz) wohl das gleiche Leid widerfahren.

Besagter Song von Bill Haley erreichte im Film „Die Saat der Gewalt“ aus dem Jahr 1955 ein Millionenpublikum. Aus dem Blues hat der klassische Rock´n´Roll-Song seinen 4/4-Takt. Heute noch bei manchen Musikern, die den R´n´R lebendig zu erhalten suchen, finden wir ihn bspw. in Alben von Green Day aus 2012 oder manchen von Arcade Fire oder Eagles Of Death Metal..

Neben Haley bleiben Carl Perkins´ „Blue Suede Shoes“, Roy Orbinsons´ „Pretty Woman“, Chuck Berrys´“Rock Over Beethoven“, Little  Richards´ “Good Golly Miss Molly“ oder Buddy Hollys „Peggy Sue“ und natürlich Elvis Presleys „Heartbreak Hotel“ wie sein „Jailhouse Rock“ ebenso unvergessen. Tabubrüche waren für dieses ´neue´ Genre auch immer schon typisch – der Hüftschwung beim „King“, später der wilde, ungestüme Tanz bei den Beatles wie den Stones, mit Frisuren die im Grunde keine waren. Wiederum etwas später brachte ein gewisser Alice Cooper aus Detroit eine Python auf die Bühne – seine Gigs gerieten zur Horrorshow.

Mit Led Zeppelin und Black Sabbath kamen wieder neue Ausformungen des R´n´R in die Welt – die Ära der härteren Gangart des Rocks ward geboren – mit Vertretern wie Judas Priest, Aerosmith, Rush, AC-DC oder auch Edgar Winter. Sog. „Skandalrocker“ wie Alice, Ozzy Osborne oder auch Marilyn Manson wirken jetzt eher wie Parodien/Schatten ihrer selbst.

Heute im Rückblick auf Guns´n´Roses als „most dangerous band in the world“ zu reden, erscheint uns wohl eher komisch bis lächerlich. Es liegt in der Natur auch dieser Gattung, dass nach fast einem dreiviertel Jahrhundert in Bands der

Gegenwart bloß noch Verwalter als Neu-Erfinder dieses Stils findet. Ob Foo Fighters, Queens Of The Stone Age, Placebo, Muse (…) oder gar the Killers – der Schwung, frische Wind und die Faszination eines neuen Wagnisses bleiben vermehrt aus. Experimentelle Fusion-Versionen a la LED-Sound-System, den „Protomen“ oder „Prodigy“ läuteten das neue Zeitalter ein, in welchem vermehrt R´n´B und Hip Hop konsumiert werden.

Rock´n´Roll hingegen scheint vielmehr in die Abteilung „nostalgischer Juwelen“ ausgesondert. Wie lang kann man eine Musikrichtung, die im Kern auf Gitarre, Bass und Schlagzeug begrenzt ist, ohne ergänzende Ausschmückungen durch Synthesizer, Blasinstrumente und Geigen frisch erhalten, ohne sich von den Wurzeln des Ursprungs zu lösen? Mit Nirvana, Oasis, Blur, The Strokes oder den White Stripes gab es imgrunde doch nur Revivals von bereits Dagewesenem, auf die eigentlichen Pioniere des Rock´n´Roll, dessen Geschichte nun auserzählt scheint.

Laut „Musikexpress“ soll das Ende dieser Ära auf das Jahr 2008 zurück gehen. Im selben Jahr spielten die Foo Fighters im Wembley Stadium vor über 80.000 Menschen – ein Zeichen für Frische und Lebendigkeit ihrer Musik oder schon ein Zeugnis nostalgischer Flucht in Vergangenes? Zumal besagte Band dort ihren Heroen Led Zeppelin huldigten und mit Jimmy Page und John-Paul Jones ein paar Stücke aus deren Feder live performten. Abseits des Mainstreams sorgten Bands wie Sonic Youth, Dinosaur Jr. oder die Pixies mit neu verquirlten und gewürzten Klängen für frischen Wind, blieben lange Jahre immer wieder aufregend, doch können auch sie ihr allmähliches Ausklingen nicht aufhalten.

Doch in Anbetracht einiger Ausnahmen wie die genannten Rockbands schicken sich auch Musikerinnen wie Taylor Swift, St. Vincent oder Billie Eilish an, das urige Fossil, zwischen Chuck Berrys „Duckwalk“ und den Stagedivings von heute, nicht lautlos in der Versenkung untergehen zu lassen.

 


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