April ist der „Jazz-Monat“. Wieder einmal hat unser Kollege Doc Köllewood aus dem AlexOffice umfangreiche Recherchen angestellt und sie in seinem Artikel »Acid Jazz & Jazz Rap« für Interessierte unter euch zusammengetragen. Darüber hinaus findet ihr eine Auswahl weiterführender Links. Die Titelgrafik hat diesmal Joseph Chebli aus dem AlexOffice gestaltet.


 

Jazz-Monat April: »Acid Jazz & Jazz Rap«



Ursprünglich hatte ich geplant, im März/April einen Artikel über die „Hiphop History“ von Gangsta Rap zu schreiben – das habe ich erst einmal aufgeschoben, da ich im Rahmen meiner Recherchen zum Jazz-Monat April tiefer in die Welt des Acid-Jazz & Jazz-Rap eingetaucht bin …

Daher die Frage zu Beginn:

Was bedeutet Jazz für dich, Doc?

Jazz ist ein wichtiges Einflusselement für Rapmusik: Viele Samples (kleine Elemente eines Liedes, die als Soundbaustein für ein neues Lied als Instrumental übernommen werden) stammen aus der Jazz-Musik genauso wie aus Soul & Blues.

Jazz-Musiker Louis Armstrong mit Trompete

Jazz-Musiker Louis Armstrong mit Trompete (Bild von WikiImages auf Pixabay)

Nicht nur in London ist die moderne Spielweise des klassischen Jazz (z. B. „Contemporary Jazz“ wie „Smooth Jazz“ oder „Jazz Fusion“) immer noch sehr angesagt – mein Fokus liegt aber auf einem anderen Subgenre: Seit den späten 80ern und frühen 90ern hat sich Jazz Rap gebildet – um den soll es aber später im Text gehen!
Fangen wir bei den Wurzeln an:

Was ist eigentlich Jazz?

Am 10. April 2022 habe ich diese Frage in einem Artikel auf der Facebook-Seite des AlexOffice erläutert. Bitte lest dort nach.

Jazz hat sich weiterentwickelt …

Jazz wird von einigen Musikern direkt kreativ mit Elementen anderer moderner Musikgenres kombiniert – dies nennt man dann unter anderem „Acid-Jazz“ – einer Musikmischung unter anderem aus Jazz, Soul, Funk & Reggae, RnB, Latin, Swing, Rock. Azid-Jazz kombiniert moderne ausgelassene Tanzmusik mit der Variabilität und Freiheit, die Jazz verkörpert. Viele Musikexperten wie das „Rough Guide Jazz“ sehen dies aber nicht als eigenes kohärentes Genre an, sondern eher als eine Entwicklung im Jazz Genre selbst.

Ein geflügelter Satz unter Liebhabern dieser Musikrichtung lautet:
„Sollte das Prinzip Acid Jazz einmal an Aktualität verlieren, ist etwas Schlimmes passiert.“

Gruppe von Jazzmusikern (Bild zum Thema »Acid Jazz & Jazz Rap«)

Gruppe von Jazzmusikern (Bild von A_Werdan auf Pixabay)

 

Übrigens: Der Genrebegriff „Acid Jazz“ stammt von den DJs Gilles Peterson und Eddie Piller. – Der Name selber hat eher einen parodistischen Vibe, da Peterson & Piller die Bezeichnung der Überlieferung nach wählten, um sich über den damaligen „Acid House“ Hype lustig zu machen. 😉

Auf diesen Radiosendern könnt ihr Acid Jazz hören:

www.acid-jazz-radio.de 
laut.fm/acidjazz 
www.radio.de/s/lautfm-acidjazz

Auf Laut.FM laufen auch viele „Jazz-Rap“ Tracks. – Was das ist, erfahrt ihr jetzt. 😉

Rap, der direkt und tiefer mit Jazz verzahnt ist

Die Jungle Brothers in Hamburg, 1999

Die Jungle Brothers in Hamburg, 1999 (Bild von Mika Väisänen auf Wikipedia)

1988 haben Bands wie Gang Starr oder Stetasonic als eine der ersten Bands Jazz Samples benutzt. Das kam so gut an, dass auf Albumlänge („No More Mr Nice Guy“ von Gang Starr, „Mo Better Blues OST & Straight out oft he Jungle“) von den Jungle Brothers Alben mit starken Jazzeinfluss erschienen sind. – Somit zählen viele dieser Jazz-Raps zu Acid-Jazz.

Viele Gruppen haben sich über die „Native Tongue Posse“ gegenseitig inspiriert – so kam es, dass diese Elemente auch in den Debütalben von De La Soul („3 Feet High and Rising“) und A Tribe Called Quest („Peoples Instinctive Travels and the Paths of Ryhtm“) Einzug hielten.

Auch wenn Nachfolge-Alben oft weniger Jazzelemente beinhaltet haben, so galten diese Alben oft als die wichtigsten und einflussreichsten Alben des wegweisenden Jahrzehnts, denn purer Jazz-Rap war zwar vielleicht nicht kommerziell erfolgreich, hatte aber dennoch seine Fans gefunden. Nicht nur von Seiten der Rapper bestand Interesse an diesem Genre – auch Jazzlegenden wie Miles Davies & Herbie Hancock (z. T. posthum) haben Jazz-Alben mit Rapelementen veröffentlicht.

A Tribe Called Quest, Pitchfork, Chicago 2009

A Tribe Called Quest 2009 (Bild von Chalice L. auf flickr)

 

A Tribe Called Quest – Jazz (We’ve Got) Buggin‘ Out auf YouTube (Official HD Video)

 

Am bekanntesten ist aber ein anderes Projekt:

Gang Starr in Hamburg 1999

Gang Starr in Hamburg 1999 (Bild von Mika Väisänen auf Wikipedia)

Der Rapper Guru (aus der erwähnten Band Gang Starr), der wegen Krebs leider sehr früh von uns gegangen ist (am 19. April 2010, also auch im Jazz-Monat) hatte nach dem Erfolg in seiner Band ein sehr erfolgreiches Projekt namens Jazzmatazz: Guru, der als Sohn des ersten afroamerikanischen Richters in Boston geboren wurde, hat dort mit vielen Jazz(nahen) Künstlern zusammengearbeitet. Gerade das erste Album von 1993 war in den 90ern wegweisend für „Jazz-Rap“ und dürfte das bekannteste sein, was Kennern des „Golden Era“ Rap zu diesem Thema einfällt …

YouTube Music PLAYLIST des ersten Jazzmatazz Albums

 

RIP Guru!

RIP Guru! (Bild von duncan c auf flickr)

 

Welchen Einfluss hatte Jazz auf deutschen Rap?

Die deutsche Band Jazzkantine auf dem Jazzfestival St. Ingbert, 2012

Jazzkantine auf dem Jazzfestival St. Ingbert, 2012 (Bild von Walter Gehring auf Wikipedia)

In Deutschland war wohl die Braunschweiger Gruppe „Jazzkantine“ eine der ersten, die Jazz-Rap gemacht haben. Auch wenn das damals einfach eine Adaption des Trends war, so haben sich viele Rapper von den Künstlern und Gruppen, die ich oben erwähnt habe, inspirieren lassen und ihre eigene „Jazz-Rap Identität“ entwickelt …

Hierzu hat HIPHOP.DE eine Playlist auf Spotify zusammengestellt: Spotify – Deutscher Rap trifft Jazz

Das war’s für dieses Mal!

Ich hab euch wie immer im Anhang noch ein paar weiterführende Links rund um das Thema Jazz hinzugefügt. Ich hoffe, euch hat der Ausflug in diese Spielrichtung des Jazz & Hiphop gefallen – wie immer freue ich mich über Rückmeldungen als Feedback in den Kommentaren.

Euer @ Doc Köllewood

Anmerkung:
Den Jazz-Monat mache ich zusammen mit meinem Kollegen @vonboehlenschneider. Er wird dieses Mal den Monatsabschluss übernehmen! Schaut dazu einfach am 30. April auf der Facebook-Seite des AlexOffice vorbei. : )

Titelbild: JK Chebli 


Weiterführende Links

– Über Jazz & Hiphop:
https://www.sueddeutsche.de/kultur/jazz-und-hip-hop-kreisfoermiges-denken-1.4788546
https://www.srf.ch/kultur/musik/jazz-und-hip-hop-mehr-als-nur-ein-flirt

– Speziell in London ist Jazz seit einigen Jahren wieder groß im Kommen:
https://www.deutschlandfunk.de/musikszene-in-london-all-that-new-jazz-100.html

– Frauen im Jazz-Rap:
https://www.deutschlandfunk.de/weiblicher-jazz-rap-ueber-starke-frauen-im-hip-hop-100.html

– Lesenswerter Nachruf auf Guru von einem Bekannten von mir aus der Kölner Musikszene:
https://www.welt.de/kultur/article7277719/Dafuer-wie-man-im-HipHop-sagt-Respect.html

– Musik:
https://www.zoliblaze.de/top-5-jazz-hip-hop/

Quellen & Inspirationen

– Wikipedia zu Acid Jazz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Acid_Jazz

– Wikipedia zu Jazz Rap:
https://de.wikipedia.org/wiki/Jazz-Rap

– Wikipedia zu Jazzmatazz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Jazzmatazz

– Wikipedia zur Jazzkantine:
https://de.wikipedia.org/wiki/Jazzkantine

– Wikipedia Übersicht zur Native Tongue Posse:
https://de.wikipedia.org/wiki/Native_Tongues_Posse

 


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